Transparency Deutschland: Teures Gesundheitswesen, aber nur wenig Leistung

By gesundheitundpflege

Deutschland belegt in der Welt den dritten Platz bei den Kosten des Gesundheitswesens. Darüber hinaus liege die Bundesrepublik bei den Leistungen und ihren Ergebnissen für die Gesundheit der Bevölkerung aber nur im Mittelfeld der Industrienationen, so Anke Martiny, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland. Ebenso kritisierte sie und ihre Organisation, dass die Vergabepraxis bei den Rabattverträgen der gesetzlichen Krankenkassen unklar sei. Gleichzeitig sei der Vertrieb von Arzneimitteln und deren Rohstoffe nur ungenügend geregelt.

Gegenüber Journalisten in Berlin machte Martiny klar, dass jedes Jahr das Geld der Versicherten in großen Mengen durch verschwenderische, unwirtschaftliche und unseriöse Methoden verloren gehe. Der daraus resultierende Verlust liege zwischen drei und zehn Prozent des Gesundheitsbudgets. Zugleich sieht Transparency Deutschland die eingeführten Rabattverträge zwischen den Kassen und Herstellerfirmen nach dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) als „höchst problematisch“.

Da die Vertragsbedingungen zudem nicht einsehbar seien, erhöhten sich nur die Bürokratie, Regresse und Retaxationen. Den Pharmaherstellern würde dadurch die Möglichkeit gegeben, Mitarbeiter der GKV durch entsprechende Maßnahmen gewissermaßen zu Marketingagenten für fragwürdige Produkte zu machen, indem sie Vertreter der Kassen zu Rabattverträgen für solche Präparate veranlassten. Die dabei entstehenden Kosten für die Zunahme der Intransparenz trügen insbesondere die Versicherten, wenn ihre Ärzte über Rabattverträge gezwungen seien, anstelle auf dem Markt verfügbarer preiswerter Generika von den Herstellern rabattierte, aber dennoch überteuerte Markenprodukte zu verordnen.

Auch kam das von der Bundesregierung im Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) verfasste Ziel, nur werbefreie Praxissoftware für ärztliche Verordnungen zuzulassen, im Jahr 2006 nicht zustande. Ausschlaggebend dafür war, eine freiwillige Selbstverpflichtungserklärung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mit den Softwareherstellern, obwohl der Gesetzgeber eine Überprüfung und Zertifizierung der entsprechenden Programme gefordert hatte. Für Martiny sei „das Ergebnis unbefriedigend“ – trotzdem greife die Bundesregierung nicht ein. Dadurch würden auch hier überhöhte Verordnungskosten, auch bei Nachahmerprodukten – durch mangelhafte Software – entstehen.

Durch intransparente Vertriebswege ergeben sich außerdem Gesundheitsgefährdende Globalisierungsfolgen. Nach Angaben von Transparency Deutschland gelangen verfälschte und verschmutzte Rohstoffe für Arzneimittel zur Weiterverarbeitung in die „erste Welt“ und führten zu Gesundheitsschäden bis hin zu Todesfällen. Aus diesem Grund, fordert die Organisation eine strickte Kennzeichnung medizinischer Stoffe vom Ursprungsprodukt bis zum Endverbraucher.

Obendrein würden vermehrt Arzneimittelfälschungen die als Vollfälschungen durch Drogendealerbanden auf den europäischen Markt gelangten, vorwiegend im Internethandel vertrieben. Daher fordert Transparency Deutschland fälschungssichere Verpackungen, in Verbindung mit einer lückenlosen Kennzeichnung in der Vertriebskette. Um gesundheitliche Schäden der Bevölkerung zu vermeiden, müsse die Bundesregierung ihre Bemühungen zur Eindämmung des illegalen Medikamentenhandels sowie zur entsprechenden Kontrolle des Internets verbessern.

Eine Antwort zu „Transparency Deutschland: Teures Gesundheitswesen, aber nur wenig Leistung“

  1. Viele Krankenkassen erhöhten 2008 ihre Beiträge/ Gesundheitsfonds « Gesundheit und Pflege Weblog sagt:

    [...] der teilweisen drastischen Beitragssatzerhöhungen erreichte das Preisniveau bei den gesetzlichen Krankenkassen einen neuen [...]

Eine Antwort schreiben