EM 2008: Masernepidemie überschattet die Fußball-Europameisterschaft

By gesundheitundpflege

Bei der diesjährigen Fußball-EM in der Schweiz und Österreich gelten Frankreich und Italien als große Favoriten. Dabei wird von vielen Experten aber übersehen, dass es eine noch stärkere „Mannschaft“ gibt, die nicht zu unterschätzen ist. Mein absoluter Favorit auf den EM-Titel ist daher die Infektionskrankheit Masern.

Diese „Mannschaft“ könnte zum gefährlichsten Gegner für die teilnehmenden Nationen werden. Zumal in der Schweiz immer neue Krankheitsfälle auftreten und die Masern-Viren verstärkt auch in Deutschland grassieren. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) wurden seit Beginn des Jahres über 500 Masernfälle gemeldet. Besonders betroffen sind die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg. Ein Ende der Erkrankungswelle lässt sich bisher noch nicht absehen.

Daher könnte die Fußball-Europameisterschaft auch für die Fans zu einer großen Herausforderung werden. Eigentlich sollte die Unterstützung der Lieblingsmannschaft im Vordergrund stehen, aber dieses Jahr müssen sich die Fans auch auf einen anderen Gegner konzentrieren – die sehr ansteckende Masernerkrankung. Neben den typischen roten Hautflecken kann die Infektionskrankheit auch zu lebensgefährlichen Komplikationen wie Lungen- oder Hirnentzündung führen.

Seit nunmehr 1 ½ Jahren versuchen die Gastgeberländer, eine schwere Masernepidemie in den Griff zu bekommen – bisher blieben die Bemühungen aber erfolglos. Allein in der Schweiz wurden bis Ende Mai knapp 2900 Erkrankungen gemeldet. Aus einer Veröffentlichung des Schweizer Bundesamts für Gesundheit geht hervor, dass die Schweiz seit November 2006 die größte Masernepidemie seit Beginn der Meldepflicht für diese Infektionskrankheit im Jahr 1999 erlebt.

Die Ansteckungsgefahr für die Fans bei der Fußball- Europameisterschaft ist besonders hoch bei großen Menschenansammlungen, wie auf Fan-Meilen oder im Stadion. Dabei genügt ein flüchtiger Kontakt zum Erkrankten, damit es zu einer Ansteckung mit den Viren kommt. Infizierte Fußballanhänger können per Fan-Tröte oder Trinkflasche die Masernviren leicht verteilen. Die Übertragung der Erreger erfolgt durch die so genannte Tröpfcheninfektion. Daher genügt es schon, wenn der infizierte Platznachbar auf der Fußballtribüne niest oder hustet. Dabei kann sich jeder Fußballliebhaber anstecken, der entweder nicht geimpft ist oder noch keine Masern gehabt hat.

Um die mitunter lebensgefährliche Viruserkrankung auszumerzen, ist eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent erforderlich. Eine Masernimmunität ist mit zwei Impfgängen zu erreichen. In der ersten Impfung werden abgeschwächte Masernerreger Kinder im Alter von 11 bis 14 Monaten injiziert. Die empfohlene Zweitimpfung erfolgt 4 Wochen nach der ersten Impfung. Diese Impfung wird meist als Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln durchgeführt. Auch wenn in Deutschland rund 94 Prozent der Schulanfänger einmal gegen Masern geimpft sind, erreicht die Impfrate bei der zweiten nur etwa 83 Prozent. Dabei ist die Impflücke bei Teenagern besonders groß. Somit kann es auch in Deutschland zur Fußball-EM verstärkt zu Masernausbrüchen kommen, da die Impfquoten nicht überall ausreichend hoch sind.

Daher ist es nicht verwunderlich, warum Mediziner kurz vor der Europameisterschaft noch einmal vor einer Masernepidemie warnen. Im Jahr 2006 gab es die letzte große Infektionswelle in Deutschland. Allein in Nordrhein-Westfalen infizierten sich mehr als 1700 Bürger. Dabei mussten rund 15 Prozent der Erkrankten mit schwerwiegenden Komplikationen (Lungen-, Mittelohr-, Gehirn- und Hirnhautentzündungen) stationär behandelt werden. Dies zeigt, dass eine Maserninfektion niemals eine harmlose Kinderkrankheit sein kann.

Nun warnt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einer erhöhten Ansteckungsgefahr während der EM 2008. Experten befürchten, dass die Masern-Welle zur Europameisterschaft auch auf Deutschland überschwappen könnte. Für die Großveranstaltung in der Schweiz und Österreich wären beispielsweise Impfstationen eine sinnvolle Maßnahme. Dies wäre zwar eine Notlösung, aber die Fans hätten die Möglichkeit, sich vor dem Fußballspiel eine Einmaldosis spritzen zu lassen. Das Gastgeberland Schweiz lehnt solche Stationen allerdings ab, da es um sein Image fürchtet.

Daher sollten Fußball-Fans, die das Großereignis in den Gastgeberländern oder auf Fan-Meilen verfolgen möchten, ihren Impfschutz überprüfen und sich bei Bedarf vorsorglich impfen lassen. So mussten auch die Spieler der deutschen Fußball-Nationalelf, vor der Abreise in das Mannschaftsquartier der Schweiz, ihren Impfschutz nachweisen. Wer keinen Schutz gegen Masern mitbrachte, wurde sofort geimpft.

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