Jeder macht Fehler, das gelte auch für Mediziner. Aber der Unterschied ist, dass Ärzte nicht gerne darüber reden und ihre Fehler zugeben. Zumal durch jede falsche Diagnose oder durch jeden Kunstfehler das Leben eines Menschen gefährdet wird. Würden sie mit fehlerhaften Behandlungen offen umgehen, wären sie auch in der Lage die Ursachen zu erkennen und entsprechend zu reagieren.
Mit diesem Aspekt haben sich jetzt Forscher der University of Alabama und der State University of New York beschäftigt. Dabei lag das Hauptaugenmerk ihrer Studie auf den „falschen Diagnosen“ der Ärzte. Abhängig von den Bereichen ermittelten sie eine Fehlerquote zwischen 2 und 5 Prozent. Stellten aber auch fest, das die Fehlerrate in einigen medizinischen Bereichen auch über 10 Prozent liegt.
Der emeritierte Professor, Arthur Elstein von der University of Illinois in Chicago, beschäftigte sich fast sein ganzes Berufsleben mit den Fehlern der Götter in Weiß. Wie Spiegel Online berichtet, liegen nach Schätzungen des Professors die Ärzte sogar in cirka 15 Prozent aller Fälle falsch.
Trotz der Zahlen darf nicht vergessen werden, dass viele Diagnosen richtig sind. Aber worin liegt die Diskrepanz zwischen den richtigen und den falschen Urteilen der Ärzte? Fest steht: An unzureichender Medizintechnik kann es nicht liegen, diese ist hochmodern. (Aber vielleicht ist gerade die Komplexität der Medizintechnik auch eine Ursache für die Fehler der Mediziner?) Wie die beiden amerikanischen Forscher herausgefunden haben, seien die Ärzte selbst der Grund für falsche Beurteilungen, weil sie durch Selbstüberzeugung die Genauigkeit ihrer Diagnosen überschätzen. Darüber hinaus seien sich viele Ärzte oftmals gar nicht bewusst, wie hoch die eigene Fehlerquote wirklich sei. Darum bräuchten die Ärzte auch eine bessere Rückmeldung bei verursachten Fehlern.
Das Gute an den Zahlen ist nur, das sie aus Großbritannien stammen. Deutsche Mediziner schweigen lieber zu diesem Thema, weshalb Zahlen über falsche Diagnosen in Deutschland nur unzureichend vorliegen und deshalb auch nur wenig aussagekräftig sind. Zudem werde das äußerst empfindliche Problem falscher Diagnosen immer noch zu wenig betrachtet und nur ungenügend erforscht.
Nur einmal trauten sich Ärzte und Pfleger das Thema öffentlich zu machen. Mit der im Februar erschienenden Broschüre des Aktionsbündnisses Patientensicherheit „Aus Fehlern lernen“. In einer noch nie da gewesenen Offenheit, bekannten sich Ärzte, Pfleger und Therapeuten zu Behandlungsfehlern. Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, er wird aber noch von zu wenigen Medizinern gegangen. Dabei können doch nur Fehler beseitigt werden, wenn über sie gesprochen wird. Stillschweigen führt dagegen zu keiner Lösung. Vielmehr wird noch mehr Misstrauen geschürt.
Stattdessen beschäftigen sich vermehrt Schlichtungsstellen mit den Irrtümern der Ärzte. Die Aufgabe der Schlichter ist es, Streit zwischen Patienten und Medizinern außergerichtlich zu lösen. Im Zuge dessen, hat die Schlichtungsstelle der norddeutschen Ärztekammer für das Jahr 2007 eine Übersicht der am häufigsten auftretenden Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen erstellt. Das Ergebnis: Oft werden Brusttumore, gefolgt von Frakturen an Hand, Unterarm bzw. Handgelenk sowie Blinddarmentzündungen nicht erkannt.
Fakt ist: In Deutschland müssen immer weniger Ärzte, immer mehr leisten. Somit begünstigt nicht nur die Selbstgewissheit der Ärzte, sondern vermehrt auch fehlendes Personal, Zeit- und Kostendruck die Entstehung von Fehlern. Aber auch Mängel in der Kommunikation und Organisation tragen zu falschen Entscheidungen bei.
Aber was können Patienten tun? Sie sollten aufmerksam und kritisch sein. Auch das Hinterfragen von Diagnosen und Testergebnissen senkt die Fehlerwahrscheinlichkeit der Ärzte. Das Nachfragen, bei z.B. einem nicht eindeutigen Krankheitsbefund, wirkt der Tendenz entgegen, die erstbeste Annahme für die Richtige zu halten. Der Arzt wird so gezwungen über seine Entscheidung konkret nachzudenken, diese zu erklären und gegebenenfalls zu korrigieren. Ständiges Fragen erleichtert zudem auch das Verständnis und das Verstehen einer Diagnose.