Stiftung Warentest kritisiert Apotheken
Juli 2, 2008 by gesundheitundpflegeBisher galten Apotheken als kompetent, auch weil sich jeder Bürger fachlich gut beraten und versorgt fühlte. Jetzt steht die Apothekenlandschaft in Deutschland aber in der Kritik, weil genau diese fachliche Kompetenz von der Stiftung Warentest in einer neuen Untersuchung bemängelt wird.
Besonders die Beratung und der Service in den Apotheken wurden von der Stiftung kritisiert. Getestet wurden in der deutschen Hauptstadt 20 Apotheken, an Bahnhöfen und in Einkaufszentren. Dabei legten die Warentester besonderen Wert auf die fachliche Kompetenz, sowie Kundenorientierung und Einrichtung. Während die Qualität der Beratung und Versorgung zu 80 Prozent in die Bewertung einfloss, hatten die weiteren Kriterien ein Gewicht von 20 Prozent.
Nach Aussage der Stiftung Warentest vom 26. Juli gegenüber Journalisten, könne es durchaus passieren, dass der Patient einen falschen Rat zu Medikamenten und Lichtschutzfaktoren erhält. Aber auch beim Blutdruckmessen wurden Fehler gemacht. Darüber hinaus lehnten sogar einige Apotheken die Herstellung von Rezepturen ab oder mischten diese falsch. Von Seiten der Warentester hieß es dazu: „Das kann passieren, wenn man seinen Apotheker fragt.“
Dabei führte die Stiftung insgesamt 160 Testbesuche in den ausgewählten Apotheken durch. Von denen nur eine die Note „gut“ erhielt. Dagegen gab es für acht Apotheken ein „befriedigend“ und für drei weitere noch ein „ausreichend“. Die anderen acht bekamen lediglich ein „mangelhaft“. Darunter befinden sich die vier Apotheken, die es ablehnten eine Rezeptur anzufertigen, mit der Begründung, dass es sich finanziell für sie nicht lohnen würde. Zwei weitere stellten eine andere als die geforderte Arzneiform her. Von den anderen zwei Apotheken wurde bei der Beratung zur Einnahme der Medikamente keine der Wechselwirkungen erkannt.
Bei einem weiteren Test wurde überprüft, ob die Apotheken auf Wechselwirkungen zwischen Delix und Voltaron Dolo hinweisen. Das Ergebnis: Lediglich sechs Apotheken informierten „vollständig und richtig“ über eine abgeschwächte Wirkung. Im Gegenzug wiesen 16 der insgesamt 20 Apotheken bei einer gleichzeitigen Anwendung von Marcumar und Johanniskraut auf eine Thrombosegefahr hin. Dagegen warnten nur vier der getesteten Apotheken „vollständig und richtig“ vor Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Anwendung von Fosamax und Calcium D3 Tabletten.
Für die Bewertung einer Rezeptur entschied sich die Stiftung Warentest für ein Metronidazol Gel mit sieben Bestandteilen. Von neun Apotheken wurde die Rezeptur als gelungen eingestuft, obwohl die Kennzeichnungen und Abpackungen als - nicht angemessen - beurteilt wurden. Allerdings fielen drei Apotheken komplett durch, da sie entweder eine Flüssigkeit abgegeben oder ein Fertiggel verwendet hatten. Dabei stellten nur vier Apotheken die Rezeptur so her, dass die Prüfer rundum zufrieden waren.
Zu einem besonders enttäuschenden Ergebnis kam die Stiftung beim Blutdruckmessen - keine Apotheke konnte überzeugen. So erhielten auch Testerinnen schlechten Rat, als sie wissen wollten, wie die Konzentrationsschwierigkeiten ihres Kindes behoben werden können. Ebenso gab es zum Teil falsche Aussagen zu Sonnenschutzmitteln und Lichtschutzfaktoren.
Eine Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) erklärte, dass man die Kritik der Stiftung Warentest „sehr ernst“ nehmen würde. Eine Stellungnahme soll aber erst nach einer genauen Prüfung der Umfrageergebnisse erfolgen.